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Was muss man tun, um eine Scheidung ohne unnötigen Stress zu bewältigen? Wie soll ich die Scheidung bezahlen? Wieviel Unterhalt muss ich nach einer Scheidung zahlen? Hier erhalten Sie einige ausgewählte Informationen zu diesem Thema, wobei vom Regelfall des gesetzlichen Güterstandes der ehelichen Zugewinngemeinschaft ausgegangen wird.

I. Ist eine Scheidung der Ehe beabsichtigt, führt der erste Schritt immer zu einem Rechtsanwalt. Das hängt damit zusammen, dass der Antrag auf Ehescheidung in Deutschland nur von einem Rechtsanwalt gestellt werden kann, d.h. Sie können den Scheidungsantrag ohne anwaltliche Vertretung nicht wirksam stellen. Das gilt auch für den Fall, dass Ihr Ehepartner den Scheidungsantrag stellt, Sie können diesem zwar zustimmen, ohne einen eigenen Rechtsanwalt nicht jedoch auch selbst die Scheidung der Ehe beantragen. Das kann insbesondere dann erheblich werden, wenn Ihr Ehepartner es sich mit der Scheidung überlegt (etwa weil für ihn das Getrenntleben finanziell günstiger ist) und den Scheidungsantrag zurückzieht.

II. Dabei sind Ehescheidungen keineswegs immer so teuer, wie oft befürchtet. Oftmals kann Ihnen nämlich vom Gericht Prozesskostenhilfe (PKH) bewilligt werden, dann kommt die Staatskasse für die notwendigen Gerichts- und Anwaltskosten auf. Abhängig von ihrem Einkommen und z.B. der Anzahl der Kinder wird die PKH ratenfrei oder aber mit monatlichen Ratenzahlungen bewilligt. Die vom Gericht festgesetzten Raten müssen dann unbedingt gezahlt werden, da die PKH ansonsten widerrufen wird. Wichtig ist, dass Sie den Rechtsanwalt von vornherein auf Ihre Einkommensverhältnisse aufmerksam machen. Er wird dann für Sie alles weitere im Zusammenhang mit der Prozesskostenhilfe regeln.

III. Die erste Voraussetzung für eine Ehescheidung ist die Einhaltung des Trennungsjahres. Für Sie heißt das, dass Sie von Ihrem Ehepartner ein Jahr getrennt leben müssen, bevor die Ehe geschieden werden kann. Das kann oftmals aber auch in bisheriger Wohnung geschehen, wenn diese nachvollziehbar aufgeteilt worden ist. Nehmen Sie Prozeßkostenhilfe in Anspruch, sollte beachtet werden, dass die PKH in der Regel erst nach Ablauf des Trennungsjahres gewährt und erst dann vom Gericht der Antrag auf Ehescheidung dem Gegener formell zugestellt wird. Die daraus ggf. resultierende Verzögerung kann für die Ehezeitdauer von Bedeutung sein, was wiederum Wirkungen etwa beim Unterhalt, dem Zugewinnausgleich und dem Versorgungsausgleich haben kann. Ist z.B. im Hinblick auf Unterhaltspflichtet oder den Versorgungsausgleich eine möglichst kurze Ehedauer erwünscht, kann es günstiger sein, den zur Zustellung des Scheidungsantrags an den Gegner erforderlichen Prozesskostenvorschuss zunächst einzuzahlen und sodann erst im laufenden Verfahren zur Vermeidung weiterer Kosten einen Antrag auf Bewilligung von PKH zu stellen.

IV. Bei der Ehescheidung werden von Amts wegen die in der Ehe von den Eheleuten erworbenen Renten- und sonstige Versorgungsanwartschaften ausgeglichen (Versorgungsausgleich), es werden somit z.B. der Ehefrau, die während der Ehe Kinder betreut hat und nur geringe eigene Rentenanwartschaften erwerben konnte, Rentenanwartschaften des Ehemannes zugeschlagen. Wegen der hierfür erforderlichen Feststellung der vorhandenen Versorgungsanwartschaften der Eheleute kann sich ein Scheidungsverfahren jedoch leider in die Länge ziehen, eine Verfahrensdauer von 8-12 Monaten ist nicht ungewöhnlich.

V. Kann ich Unterhalt für mich und die Kinder beanspruchen und in welcher Höhe?

Auch diese Frage kann anlässlich der Ehescheidung und ggf. auch schon vorher geregelt werden. Das Unterhaltsrecht ist jedoch in vielen Bereichen sehr kompliziert und Sie sollten sich daher keineswegs auf Unterhaltsvereinbarungen einlassen, ohne zuvor einen Rechtsanwalt um Rat zu fragen. Als Faustregel gilt, dass nach einer Trennung ein Unterhaltsanspruch des Berechtigten in Höhe von 3/7 der Einkommensdifferenz besteht. Verdient z.B. die Ehefrau zum Zeitpunkt der Trennung 900,00 EUR netto, der Ehemann aber 1.200,00 EUR netto, müsste der Ehemann Unterhalt in Höhe von etwa 129,00 EUR zahlen. Verdient die Ehefrau nichts und versorgt sie auch keine Kinder, wird sie eventuell trotzdem nicht viel mehr als die 129,00 EUR erhalten, da sie sich grundsätzlich darum bemühen muss, Arbeit zu finden. Ansonsten wird ihr ein fiktives Einkommen angerechnet.

Die Höhe des Kindesunterhalts wird nach einer abkommensabhängigen Tabelle bestimmt. Bleiben die Kinder bei der Mutter und hat der Kindesvater ein anrechenbares Einkommen von 1.400,00 EUR, müsste er bei 2 Kindern im Alter von 6 und 11 Jahren Unterhalt von je 257,00 EUR, insgesamt 514,00 EUR, zahlen, insofern die Mutter Kindergeld erhält. Sehr wichtig ist zu beachten, dass der gesetzliche Mindestunterhalt (für die beiden 6 und 11 Jahre alten Kinder wären das monatlich je 247,00 EUR) in jedem Falle zu zahlen ist, selbst bei Arbeitslosigkeit! Wenn Sie das als Vater nicht beachten und sich darauf verlassen, dass sie ja nichts verdienen, können Sie sich leicht sehr hoch verschulden.

Falls Sie Unterhaltsleistungen empfangen, ist es sehr wichtig, sicherheitshalber auch unaufgefordert dem Unterhaltsschulder alle Änderungen in ihren Einkommensverhältnissen unverzüglich mitzuteilen.

Das sind aber lediglich Grundsätze. Ob Sie Unterhalt verlangen oder leisten müssen - Sie können gravierende Nachteile erleiden, wenn Sie keine fachliche Hilfe in Anspruch nehmen. Dabei ist das Unterhaltsrecht wegen seiner Komplexität zugleich recht regressträchtig Haben Sie den Eindruck, dass Sie als Unterhaltsschuldner bzw. -gläubiger aufgrund anwaltlicher Fehler oder fehlerhafter Beratung z.B. beim Abschluss eines Unterhaltsvergleichs zu viel an Unterhalt zahlen oder zu wenig Unterhalt erhalten, sollten Sie sich im Hinblick auf laufende Verjährungsfristen möglichst unverzüglich zum bestehen etwaiger Regressansprüche beraten lassen. Alle Rechtsanwälte haben schließlich eine Berufshaftpflichtversicherung, welche für solche Schäden aufkommt. Falls Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, wird diese ggf. die Kosten eines etwaigen Regressprozesses übernehmen. Nähere Informationen zur Geltendmachung von Regressansprüchen erhalten Sie hier.




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