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HAFTUNG DES ANWALTS / REGRESS

Geltendmachung von Regressansprüchen

Der Rechtsanwalt haftet grundsätzlich für fehlerhafte Ratschläge und eine nicht optimale Prozeßführung. Das kann insbesondere in Unterhaltsverfahren von erheblicher Bedeutung sein.

Ein Beispiel mag das verdeutlichen:

In einem etwas hektisch verlaufenden Scheidungstermin wird vom Familienrichter dem Ehemann vorgeschlagen, sich auf einen nachehelichen Unterhalt in Höhe von 400,00 EUR zu einigen, mehr bekomme die Ehefrau nicht, da sie keine Arbeit suche und sich also ein fiktives Nettoeinkommen von 850,00 EUR anrechnen lassen müsse. Gefordert waren von der ehefrau hingegen 900,00 EUR monatlicher Unterhalt, da die Ehegattin vorgetragen hat, sie habe immerhin 10 Bewerbungen im Monat verfasst und sich damit ausreichend um Arbeit bemüht. Die Ehegattin hat in der 7 Jahre dauernden Ehe, aus welcher keine Kinder hervorgingen, nur gelegentlich halbtags gearbeitet, jedoch kurz vor der Trennung der Parteien an einer berufsbildenden Maßnahme teilgenommen. Aus dieser Qualifikation könnte sie ein monatliches Nettoeinkommen von 1.100 EUR erzielen.

Da erscheint es im Hinblick auf die geforderten 800,00 EUR naheliegend, einen Vergleich über 400,00 EUR anzunehmen, was auf Anraten des anwesenden Anwalts des Ehegatten auch geschieht. Der Anwalt weiß zudem nichts von der während der Ehe erlangten beruflichen Qualifikation der Ehegattin, weil ihm und seinem Mandanten nur die vor der Ehe ausgeübte Tätigkeit der Ehegattin (als angelernte Verkäuferin) wichtig schien. Der Unterhaltsanspruch der Ehegattin wird im Vergleich zudem nicht zeitlich befristet.

Der hier entstandene Schaden ist immens, der Ehegatte zahlt ggf. 250,00 EUR monatlich zu viel an Unterhalt, was sich nach 5 Jahren bereits auf 15.000,00 EUR addiert. Zudem dürfte er ehebliche Probleme bekommen, zu einem späteren Zeitpunkt doch noch eine Befristung der Unterhaltszahlungen durchzusetzen, da bereits beim Vergleichsabschluss erkennbar war, dass hier vieles (keine gemeinsamen Kinder, vergleichsweise kurze Ehedauer) dafür sprach, den nachehelichen Unterhaltsanspruch zeitlich zu befristen, etwa auf längstens 3 1/2 Jahre.

Zu achten ist darauf, dass Regressansprüche gegen den Rechtsanwalt in der Regel binnen 3 Jahren verjähren. In einigen Fällen ist die Verjährungsfrist faktisch länger, etwa wenn der Anwalt seinen Fehler doch noch erkannt hat, den Mandanten jedoch pflichtwidrig nicht darauf und auf die Möglichkeit des Regresses hingewiesen hat. Zu beachten ist ferner, dass bei der Geltendmachung des Regressanspruchs unter Umständen auf eine bestehende Rechtsschutzversicherung zurückgegriffen werden kann.








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